Berlin, Berlin - wie, schon wieder?

Etappe 2: Auf dem Mittellandkanal MLK bis Hohenwarthe

Baustelle an der Landesgrenze - Grenzübertritt - endgültig! In Niedersachsen waren wir schon vorher, denn der unschlüssige Mittellandkanal schwenkt bereits bei Kilometer 25 wankelmütig kurz ins Nachbar-Bundesland, um dann aber bei Bad Essen reumütig wieder nach NRW zurückzukehren. Im Mindener Tageblatt jedenfalls geht´s landespolitisch um NRW. Hier aber, bei Kilometer 106,5 am Sicherheitstor Berenbusch, ist Schluss mit lustig. Jetzt sind wir endgültig in Niedersachsen und das Niedersachsenross flattert an Steuerbord. Apropos lustig: Ich muss ich immer erst dran gewöhnen: NDR 2 - morgens - diese aufgesetzte Fröhlichkeit, diese unbedingt gewollte Heiterkeit, dieses muntere Geplapper mit den tollen Witzen: Das Grauen am Morgen hat einen Namen, Niedersachsen-Fans wissen das: Ponik und Petersen! Wer die Unaufgeregtheit der Moderation einer Steffie Neu, eines Bastian Benders oder einer Heike Knispel - meine NRW-Begleiter in den Morgen - zu schätzen weiß, muss sich hier umstellen: Frühstücksradio wie in den 90ern. Man gewöhnt sich dran, ok, aber es braucht halt seine Zeit. Wobei: die NDR-2-Comedy ist besser als die im WDR, "Frühstück bei Stefanie" fand ich schon klasse, nun "Wir sind die Freeses". Heute hatte sich Oma die Lippen aufspritzen lassen "wie Nacktschnecken" - nie wollte sie das tun - und man konfrontierte sich dann gegenseitig mit den gebrochenen Lebens-Schwüren der Qualität wie "Ich heirate nur meine Mutter" usw. - große Klasse!

Während im Westen Gewitter und Starkregen toben, haben wir hier oben das Hoch im Norden. Allerdings ist es einfach nur heiß und es wird zunehmend auch schwüler. Für das Wochenende ist auch hier mit dem stürmischen Ende der "Warmzeit" zu rechnen. Schön ist der MLK hier - Naturufer zeichnen die Neubaustrecken aus, man hat den Eindruck, auf einem natürlichen Gewässer unterwegs zu sein.

Ich habe einen Mitfahrer - diese Fliege kletterte geschlagene drei Stunden auf der Leine herum, die vor dem Frontfenster liegt. Bei dem schwülen Wetter habe ich von innen gesteuert, das war angenehmer, daher konnte ich das auch sehr gut beobachten. Und da lief der oder die Fliege pausenlos die Leine auf und ab. Jeden langweiligen Meter.

Immer hin und immer her - so wie Fliegen eben so rennen. Aber das sind ja meist nur Minuten-Aktivitäten, dann fliegen die Fliegen. Nicht so hier. Erst als ich beim Anlegen die Leine als Vorleine brauchte, habe ich das Herumvagabundieren beenden müssen. Oder besser: Sie hat es beendet. Meinetwegen hätte sie das auf der Vorleine noch stundenlang machen können.

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