Berlin, Berlin - wie, schon wieder?

Etappe 2: Auf dem Mittellandkanal MLK bis Hohenwarthe

Kalihalde Idensen - der Kalimandscharo - Abraumhalde des Kalischachts Sigmundshall in Bokeloh. Das Werk Sigmundshall von K+S ist gleichzeitig einer der größten Arbeitgeber Wunstorfs, aus diesem Grunde wird der Berg gerne als Attraktion der Region gefeiert. Die Abfallprodukte der Kaliproduktion sind Ewigkeitslasten. Durch Verwehungen und Auswaschungen machen sie große Probleme und sind ähnlich wie die aufgelassenen Bergweke im Ruhrgebiet eine Hypothek, die wir den nachfolgenden Generationen hinterlassen. Große Teile der Abraumhalde sind inzwischen begrünt, das stoppt die Verwehungen. Ich bin ja nicht der Meinung, dass man nicht seine Freude an Berg und Aussicht haben soll, er ist nun mal da. Allerdings sollte man den Hügel nicht nur wie ein "Geschenk" bewerben, sondern durchaus auch die daraus resultierenden Folgen für die Ökologie benennen.

Hannover kommt näher, voraus die Liegestelle bei Lohnde. Weit vor mir immer noch die Eiltank 68 - den ganzen Tag ist der Tanker schon vor mir, unsichtbar, nur das AIS zeigt ihn und da wir mit ähnlicher Geschwindigkeit laufen, bleibt der Abstand immer etwa gleich bei drei Kilometern. Ich habe bisher nicht einen Frachter überholen müssen und wurde auch noch nicht einmal überholt. Das hat es hier auf dem MLK bei meinen bisherigen Fahrten noch nicht gegeben. Es geht auf sechs Uhr zu, in Lohnde will ich zur Nacht anlegen. Morgen dann Hannover - und Anderten!

Auch hier: Leere! Ein einziger Frachter liegt hier und nur ein einziges Sportboot. Der Kollege hat allerdings so angelegt, dass die gesamte Liegestelle damit blockiert ist. Ich fahre heran, man sitzt gemütlich plauschend auf dem Achterdeck. Meiner Bitte, etwas vor oder zurück zu gehen, wir sofort nachgekommen. Immerhin. Das Verholen stellt sich allerdings als höchst umständlich heraus, denn hier gibt es Ringe zum Festmachen. Also müssen die Leinen mühsam durch die Ringe gezogen und am neuen Ort wieder eingefädelt werden. Dauert einfach seine Zeit und ist sicher keine schöne Unterbrechung des Abendprogramms. Aber daraus lernen wir, dass es wenig Sinn sondern nur Arbeit macht, an einer Sportbootliegestelle mitten in der Mitte anzulegen. Es kommt immer noch jemand, und das in der Regel zu Unzeit.

Sonnenuntergang - ein schöner Blick in den Weltraum (gerade ist Alexander Gerst auf dem Weg zur ISS) und auf die Eisenbahnlinien. Plural! Hier haben wir schon oft übernachtet, eine viergleisige Strecke führt nahe am Liegplatz vorbei. Unsere Koje liegt, gut durch die Spundwand abgeschirmt, tief genug, um vom Lärm nicht direkt getroffen zu werden. Auf das Öffnen der Deckenluke sollte man jedoch verzichten. Es ist eine der meistbefahrenen Strecken Deutschlands, alles in Richtung Osten kommt hier durch. Gerade überholt ein ICE einen langen Autotransportzug und in der Gegenrichtung steht ein Güterzug mit E-Loks ind Doppeltraktion und lässt einen Regionalzug vorbei. Vier Züge! Und das geht die ganze Nacht so, weil dann die Güterzüge die Regie übernehmen. Aber sonst: Einkaufen mit dem Rad in 10 Minuten. Ich verlege mich in die Koje, träume bestimmt von - na was? - klar: Anderten. Wie sagt der Volksmund so treffend? "Denk ich an Anderten in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht". Gute Nacht!

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