Kurztripp über den Hamm-Datteln-Kanal bis nach Schmehausen

Bericht von Karl-Heinz Czierpka

Gleich danach wird es kalt, schnell das Verdeck zu, der Tau legt sich nach dem warmen Tag schon auf die Sitzpolster. Stille senkt sich über den Kanal, einzelne Jogger tauchen auf der anderen Seite auf und einige Nordic-Walker. Die kann man schon von weitem erkennen, akustisch, an dem rhythmischen Geklacker, das ihre Stöcke auf dem wassergebundenen Weg erzeugen. Es wird eine kalte Vollmond-Nacht, sternenklar, 3 Grad zeigt das Minimax-Thermometer am Morgen als tiefste Temperatur an. Bis 22 Uhr arbeitet Werries, doch das letzte Schiff ist die Kamperzand aus Kampen, die gegen 19.00 Uhr die Tremonia in Richtung Schmehausen passiert. Es gibt zwar noch mehrere Funksprüche, aber es kommt kein Schiff mehr vorbei. Um zehn werfe ich an der Spundwand los, fahre einen großen Kreis auf dem Kanal und lege mich an einen der Dalben. Ist zwar nur ein Poller da, aber mit einer Quer- und Längsfenderkombination und drei Leinen fixiere ich die Tremonia für die Nacht. So einsam bevorzuge ich eine Lage ohne Landverbindung für einen ruhigen Schlaf! Der Vollmond leuchtet den Kanal sehr gut aus und unterstützt mich bei der nächtlichen Aktion, trotzdem setzte ich das Ankerlicht, man weiß ja nie, was kommt! Früh am Morgen beim ersten Blick nach draußen: Nebel, aber auch schon die erste Morgenröte im Osten. Die Sichtweite liegt bei mehreren hundert Metern.

Es ist sechs Uhr, ich verlege mich vom Dalben wieder zurück an die Spundwand. Gespenstisch spiegeln sich die Bäume im Kanal. Orion steht noch hoch am Morgenhimmel - der Sommer ist vorbei, die Wintersternbilder sind da! Ich werfe die Espresso-Maschine an, die Truma hat es schön warm gehalten über Nacht, es war eine gute Idee, auch im Cockpit einen Auslass zu montieren. Ich haue mich noch einmal aufs Ohr, um 7.15 Uhr werde ich wach: Lautes Hupen, danach gleich noch einmal und ab dann in kurzen Abständen - ein Auto ist das nicht, ein Schiff auch nicht - sehen kann ich nichts und ich tippe auf einen Zug, der sich durch den Nebel tastet. Gibt es hier noch soviele unbeschrankte Bahnübergänge? Und dann ist er doch zu sehen: Über die Brücke schleppt die kleine Diesellok einen langen Kohlenzug, der Lokführer lässt die Signalpfeife fleißig arbeiten. Der Himmel rötet sich schon mehr als deutlich, gleich kommt die Sonne durch, aber der Nebel ist dichter geworden.

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Der Reisebericht ist Teil der Domain www.czierpka.de. Das Copyright liegt bei Karl-Heinz Czierpka, es gelten die im Impressum aufgeführten Grundsätze. Wir sind unterwegs mit dem Motorkreuzer Tremonia.