Who the fuck is Käpt´n Kalle?

Wer zum Teufel ist denn eigentlich dieser ungemein sympathische bescheidene junge Mann ?

Käpt´n Kalle - diesen Spitznamen haben mir meine Schüler nach vielen gemeinamen Segeltörns und entsprechenden Stunden der Vorbereitung verpasst. Eigentlich bin ich eine Landratte wie sie landrattiger nicht sein kann. Meine einzigen "maritimen" Kindheitserinnerungen sind die Fahrten mit meinem Vater an den Dortmunder Hafen zum Einkaufen von Rohstoffen für die elterliche Bäckerei.

Käpt´n Kalle Geschichten von Bord Bericht Vortrag

Irgendwann half der Zufall nach - Wochenendsegeltörn einer Kollegin mit einer 9. Klasse, der als Begleiter eingeplante Kollege erkrankte spontan und ich ließ mich vom Schulleiter breit schlagen. Freitag abends, Urk, wir kommen an und ich tauche in eine neue Welt ein, die mir bis dahin verschlossen geblieben war: Jede Menge Menschen mit Seesäcken oder Sporttaschen auf dem Rücken ziehen mit glücklich leuchtenden Augen durchs Dorf, man trifft sich, begrüßt sich, alle eint die unbändige Vorfreude auf ein Wochenende unter Segeln. Wunderschöne Atmosphäre, die mich eigentümlich anrührt, Wind und hakelige Wellen bis in den Hafen, die ganze Nacht über rollt das Schiff, am Morgen ist mir kotzübel. Drei Törns später stelle ich fest: Es waren gar nicht die Wellen, es war nur der Genever - seit ich mich von diesem Teufelszeug fern halte, ist Übelkeit kein Thema mehr.


Immer wieder gerne - Jollensegeln auf dem Möhnesee - hier zusammen mit Schülern - Spaß garantiert

Morgens dann raus aus dem Hafen, viele Schiffe laufen gleichzeitig aus. Die Segel gehen hoch und dann, dann dieser Moment, in dem das Virus zuschlägt: Der Wind fasst in die Tücher, das Schiff legt sich langsam auf die Seite, der Skipper stellt den Diesel ab - Stille - die Bugwelle schäumt und am Heck wirbelt die See auf - wir fahren - nur vom Wind getrieben - geil! Und wenn es dann zur Sache geht - zum Bespiel bei der Brandaris-Regatta von Harlingen nach Terschelling, dreimal mitgesegelt - hier unten auf der Alida kurz vor der Ziellinie, wenn die Gischt über das ganze Boot spritzt - solche Augenblicke sind einfach unvergesslich !

Die Folgen solcher Momente: Über 40 Segeltörns auf Großseglern mit Schülern, Freunden, Familie, gemischten Gruppen - alles selbst organisiert, auf Waddenzee und Ostsee, viele davon in meinen Reiseberichten verewigt. Spaß an der Sache - selbst Ruder gehen, navigieren, Kreuzpeilung, Tonnen und Pricken suchen, ein 40m-Schiff in eine Schleuse bugsieren, durch eine enge Brücke - das alles läuft in den nächsten Jahren. Und es wächst der Wunsch, mehr zu wissen, Hintergründe zu verstehen.


Klassenfahrt in der Waddenzee: www.wir-sind-eine-klasse.de

Also wieder die Schulbank drücken: Sportboot See und Binnen unter Motor und Segel, später folgt dann der Sportküstenschifferschein, auch der unter Antriebsmaschine und Segel! Zwischendurch Funk und Pyro - alles da. Motorboote gechartert - man will das ja nicht alles gleich wieder verlernen. Dabei die Binnereviere, Kanäle, Flüsse, Seen, schätzen gelernt. Zunächst Friesland, dann Ost-Deutschland. Schönes ruhiges Dahingleiten in Verdrängerfahrt, nächste Biegung, neue Landschaft, kleine Kneipe, anlegen für einen Espresso, dann weiter - immer wieder interessante Ein- und Ausblicke.

Und immer wieder unterwegs mit alten Frachtseglern, lange Wochenenden, ein- und zweiwöchige Törns, Klassenfahrten - Riesenspaß. Aber immer wieder auch diese unchristlichen Gedanken, nachts wird man wach und merkt, dass man wieder nur von einer Idee geträumt hat: Wäre das toll, ein eigenes Schiff! Muss das ein Traum bleiben? Dabei ist relativ schnell klar: Das kann nur ein Motorboot sein, denn immer wieder macht der Rücken Probleme und das auf eigenem Kiel, womöglich allein an Bord - schwierig bei einem Motorboot aber katastrophal auf einem Segelschiff. Und wie das so ist - immer und überall Schiffe ansehen, vergleichen, überlegen "was wäre wenn" - plötzlich dann ein Sonderangebot zum Jubiläum von Sucess: Die MARCO 850AK - hatten wir schon zweimal gechartert - wird mit einer sinnvollen Zusatzausrüstung zum Standardpreis angeboten - hin und her - wir schlagen zu. Nach knapp einem Jahr liegt die Tremonia "vor der Tür" - und ein neues Revier wartet auf mich: Meine Heimat, das Ruhrgebiet, wird vom Wasser aus neu entdeckt. Viele Reiseberichte beschreiben den Ruhrpott. Und endlich richtig "lange" Fahrten, nach Berlin, über den Rhein in die Niederlande und über die Ems wieder zurück - es ist so wie tausendmal geträumt, traumhaft schön!


Tremonia mit schwarz-gelber BVB-Flagge im Einsatz: Schalke spielt in Dortmund

Parallel zum Bootfahren wächst die Internetpräsenz. Schon bei den Klassenfahrten haben wir umfangreich von unterwegs berichtet. "Bloggen" ist 2002 in Deutschland noch ein Fremdwort, da sind wir Pioniere! Und da der Computer bei uns auch im Unterricht auf dem Stundenplan steht, gibt es tägliche "News von Bord". Die Eltern jedenfalls sind begeistert, können sie doch fast live an der Fahrt teilhaben. Die Internet-Verbindung läuft über das Mobiltelefon, teuer, umständlich und manchmal muss ich auf Deck sitzen, im Regen unter einer Plane, damit der Datentransfer glückt. Jeden Abend sitzen alle gespannt vor den Bildschirmen und warten auf die Antworten aus der Heimat.


Online-Redaktion an Bord - der Käpt´n mit dem kultigen iBook in oranje...

Bei 250 Motorstunden pro Jahr gibt es auch zu den Tremonia-Fahrten viele Reiseberichte - und die finden überraschend viele Leser! Ein Leben ohne Boot kann ich mir eigentlich gar nicht mehr vorstellen. Haus und Garten - bisher von mir sorgsam umhegt und gepflegt - sie werden vernachlässigt, das Boot bestimmt alles. Doch bald fahre ich fast nur noch allein: Mein 1WO streikt - die ständigen kleinen Bewegungen des leichten GfK-Halbgleiters führen zu Missempfindungen - ist ja wirklich so: Springt ein Fisch aus dem Wasser, bewegt sich so ein Leichtgewicht gleich mit. Auch allein fahren macht Spaß - aber nicht immer. Und die schönsten Wochen des Jahres sollte man/frau nicht ohne den wichtigsten Menschen im Leben verbringen: Da müssen Prioritäten gesetzt werden und so wird die Tremonia 2008 verkauft. Ich hätte heulen können! Mehr als 1.000 Motorstunden sind wir gefahren, nie hat sie mich im Stich gelassen, viele Erfahrungen habe ich gemacht, diese Zeit hat mich verändert. Nun wieder Garten und Altbau. Damit es nicht allzu langweilig wird sitze ich bald wieder in einem Kurs bei meinem Lieblingssegellehrer Udo Rahmann und büffele für die SportSeeSchiffer-Prüfung - verrückt - aber so ist das eben. Die vier anspruchsvollen Theorie-Prüfungen für den SSS mache ich - doch dann ändert sich die Situation und ab 2009 ist Langeweile kein Thema mehr - siehe unten. Daher beende ich das Projekt SportSeeSchiffer ohne finale Gesamtprüfung - dennoch: Viel gelernt, dieser Schein ist schon ein richtiges kleines Patent.


Segeln mit der ADAC-Yachtschule auf der Ostsee, links Junior-Chef Thosten Rahman

Natürlich ist "kein Boot" nicht gleich das Ende des Bootfahrens: Wir chartern wieder, aber Stahlboote, und da tritt das Unwohlsein bei meiner Liebsten nicht auf - träge Masse ist eben durch nichts zu ersetzen, das war mir als Physiker immer schon klar. Dafür gibt es nun ein anderes Unbehagen auf den Charterbooten. Das Klo ist nicht so richtig toll und dieses und jenes ist sehr umständlich oder ziemlich unpraktisch oder einfach wenig schön - wir sind halt verwöhnt! Ganz vorsichtig blättere ich dann und wann mal wieder in den einschlägigen Werft-Prospekten, fahre schon mal das eine oder andere Boot ansehen. Gibt es einen Neustart mit einem Stahlboot? Interessant vor allem, weil sich am Horizont meine Pensionierung abzeichnet. Und nur im Garten sitzen und den Maulwürfen beim Graben zusehen - nix für mich.


2008 unterwegs mit der Finally von Yachtcharter Sneek - 9m-Stahlkreuzer mit offener Plicht und nur 2,40 hoch - unsere Kragenweite

Und so gibt es seit Mai 2010 die Tremonia 2.0 - mehr als ein Update - diesmal aus Stahl: wenig Tiefgang, wenig Höhe, wenig Treppen aber dafür ganz viel Platz und eine große offene Plicht, ein echtes Boot für gemächliches und luxuriöses Wasserwandern auch für 60Plus. Bedingt durch den Eintritt in den Ruhestand lassen sich nun lange Fahrten geschmeidig in den Alltag hinein organisieren, wenn die Ferien beginnen ist das Boot bereits im Revier der Wahl.
Mehr zum Ruhestand hier...
Mehr Informationen zur Tremonia 2 gibt es hier...

Parallel starte ich eine "Karriere" als Geschichtenerzähler: Meine GenossInnen von 60Plus frotzeln immer "Nimm uns doch mal mit aufs Boot" - das mache ich dann auch, virtuell. Ich erzähle von den Reisen und Fahrten, die Internet-Berichte kommen also live. Das hatte ich für Skipper-Kollegen schon ein paar mal gemacht, hier aber sind es Menschen ohne Interesse an detaillierten Tipps für die Reiseplanung mit dem Boot. Kann das funktionieren? Schon meine Schüler haben mich immer wieder für meine "Geschichten" gelobt, genau so hängen mir hier nun gestandene Menschen an den Lippen. Wobei es ja nicht um dramatische Erlebnisse geht, es sind vielmehr die kleinen Geschehnisse des Alltags unterwegs, die Klippen der Reise und des Lebens, Geschichten, Anekdoten - das was einem halt so passiert auf den Wasserwegen.

Dazu ein wenig Hintergrundwissen um die Orte und deren Geschichte. Das vertrauliche DU spricht jeden Einzelnen an, schafft schnell eine intime Atmosphäre und schon ist man zusammen unterwegs auf den Flüssen und Kanälen dieser Welt. Gemeinsam meistert man Schleusen und Brücken, beobachtet, hinterfragt, lästert, erklärt, diskutiert - die Geschichten von Bord garantieren Spaß für beide Seiten! Ein Literaturwettbewerb von Fluss-Stadt-Land kommt mir zu Hilfe: Mein Text über das Wasserland Ruhrgebiet, vor allem über den Geschlechterkampf in den Schleusen - "Vorn steht Mutti..." - produziert allenthalben Lachsalven und bringt mir den Sieg.
Den Wettbewerbstext hier lesen


Heimvorteil, hier bin ich zu Hause: Bei 60Plus in Dortmund-Wickede hat es angefangen...

Erneut ist es der Zufall: "Mein Grieche" um die Ecke feiert Jubiläum und ich schenke dem Wirt einen Vortrag, meine Santorini-Berichte live. Riesenerfolg, mehrfach ausgebucht. Und weil viele Gäste nach weiteren "Geschichten" fragen, steigen bald im griechischen Feinschmeckerlokal Plaka auch maritime Themen. Also raus aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, nun vor unbekanntem Publikum. Und auch das klappt! Die Themen werden immer kombiniert mit kulinarischen Leckerbissen - Tomatoballs bei den Geschichten von Santorini, Soljanka wenn´s in den deutschen Osten geht.


Der Grieche meines Vertrauens: Joti, Chef des Plaka mit Fisch passend zu den Insel-Geschichten

Das behalte ich auch auf Herr Walter bei - hier im Bauch des großen Event-Schiffes im Dortmunder Hafen machen sich Erlebnisse auf dem Wasser natürlich besonders gut. Und auch hier gibt es jede Menge Zuspruch.


Trotz Rotlicht und Hafenviertel: Immer jugendfrei und familienfreundlich

Auf Herr Walter ist die gemütliche Bar oftmals krachend voll, viele Menschen kommen aus der Umgebung - Hamm, Wuppertal, Duisburg - reisen manchmal extra an. Vor allem, wenn der WDR den Termin vorab in der Lokalzeit ankündigt, wird es drängelig. Viele neue Kontakte, interessante Gespräche und manchmal noch langes Fachsimpeln bei der After-Show-Party am Skipper-Tisch.

Auch im LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg kommen die Geschichten sehr gut an - das Ambiente der alten Maschinenhalle ist wie geschaffen für maritime Themen.


Begrüßung durch den Museumsdirektor Dr. Siebeneicker

Hier, wo früher mit dem Dampfkraftwerk das energetische Herz des Hebewerkes schlug, können sich bis zu 99 Zuhörer einfinden - da macht das Erzählen richtig Spaß!

Und 2015 bekommen die Geschichten von Bord eine kleine Schwester: Zusammen mit Uli Moeske, wie ich im Unruhestand und früher als Direktor der Stadt- und Landesbibliothek zu Dortmund auch professionell mit dem geschriebenen Wort verbandelt, hebe ich die Leseratte aus der Taufe: Uli ist bekannt für seine stimmungsvollen Lesungen, in Kombination mit meinen Fotos und Anekdoten "von unterwegs" lassen wir in unserer heimischen Stadtteilbibliothek einen Versuchsballon steigen: Hiddensee für Leseratten - und werden durch stürmischen Applaus belohnt. 70 Minuten Spaß und gute Unterhaltung und für die DGzRS ein volles Spendenschiffchen. Das schreit nach mehr!


Letzte Absprachen - ein wenig nervös waren wir schon...

Die Presse begleitet mich wohlwollend und berichtet ausführlich, eine Auswahl befindet sich HIER!

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